Sonntag, 6. März 2011

Geparden und Forellen in Südafrika

Gepard Joseph genießt Streicheleinheiten im Schutzzentrum "Cheetah Outreach" (Foto: Privat/Maike Grunwald)
(Reise, Südafrika, Maike Grunwald) Es gibt Momente im Leben, die man nie vergisst. Einen echten Geparden zu streicheln gehört dazu. Diese großen Raubtiere sind 110 km/h schnell und können locker Antilopen totbeißen. Zum Glück gelten sie aber auch als faul. Joseph (Foto), mit seinen achteinhalb Jahren schon ein betagter Gepard, schnurrte auf jeden Fall lieb wie ein Hauskätzchen, als wir ihm den Rücken streicheln durften.


Joseph mit seinem Pfleger Bonga und den Besuchern Rupert aus England und mir. Volunteer Josephine (r.) erzählt uns mehr über das Schutzprogramm (Foto: Privat/Maike Grunwald)

Joseph macht seinen Job im "Cheetah Outreach" (www.cheetah.co.za) wirklich gut. Die Geparden-Schutzstation auf dem Weingut Spier, das nur 25 Autominuten westlich von Kapstadt liegt, hat sich ganz dem Erhalt der bedrohten Großkatzen verschrieben. "Botschafter"-Geparden wie Joseph sollen Sympathien für die Tiere erwecken, die bis heute trotz bestehender Verbote von Tier-Farmern abgeknallt werden. "Geparden sind tagaktiv, im Gegensatz zu Löwen, Leoparden und Hyänen, die nachts jagen. Daher werden sie öfter gesehen und erschossen", sagt Josephine, eine Studentin aus Hannover, die zwei Monate ehrenamtlich bei "Cheetah Outreach" arbeitet.

Josephine, Studentin aus Hannover, ist Volunteer im Schutzzentrum. Sie gibt uns Besuchern Infos und Desinfektionsmittel für die Hände zum Schutz der gefährdeten Geparden (Foto: Maike Grunwald)
Auf der Schutzstation werden auch riesige anatolische Hirtenhunde gezüchtet. "Wir stellen sie den Farmern kostenlos zur Verfügung, das erste Jahr zahlen wir auch das Futter und den Tierarzt. Die Hunde schützen die Herde und die Farmer lassen die Geparden in Ruhe", so Josephine. "In Namibia hat man schon große Erfolge mit dem Hirtenhund-Projekt erzielt."


Joseph total entspannt. Geparden können ihre Krallen nicht ganz einziehen. Sie nutzen sie nicht zum Klettern, sondern für eine bessere Bodenhaftung beim Rennen (Foto: Privat/Maike Grunwald)

Geparden haben ein einzigartiges Sozialverhalten: Die Männchen sind gesellig und ziehen oft ihr Leben lang mit ihren Brüdern umher, die Weibchen sind absolute Einzelgängerinnen. Nur zur Paarung treffen sie sich mit den Männchen, ziehen die Jungen dann allein groß und überlassen sie nach eineinhalb Jahren ihrem Schicksal.

Josephs geschlechtsbedingte Geselligkeit mag ein Grund dafür sein, dass er ein so verschmustes Tier ist. Sicher liegt es auch daran, dass er im Ann van Dyk Cheetah Centre geboren und von Menschen mit dem Fläschchen aufgezogen wurde. "Er mag gern gestreichelt werden", sagt sein Pfleger Bonga Matina. Der langjährige Mitarbeiter krault Josephs Kopf und behält seine Reaktionen ganz genau im Auge, wenn Besucher ins Gehege kommen. Nur, wenn der Gepard entspannt am Boden liegt, sind diese Begegnungen erlaubt. Josephine, die uns vorher Desinfektionsmittel für die Hände gegeben hat, "weil Geparden anfällig für Krankheiten sind", erzählt uns dabei Interessantes über Geparden und das Schutzprogramm.


Die Gegend rund um Stellenbosch ist traditionell Weinland. Vom Weingut Asara, das auch ein Hotel beherbergt, hat man einen herrlichen Blick auf die Berge und Weinhänge (Foto: Maike Grunwald)

Ein Gepardenschutzzentrum auf einem Weingut, das klingt schon etwas seltsam. Tatsächlich ist die Gegend rings um die schöne Universitätsstadt Stellenbosch schon seit Jahrhunderten Weinanbaugebiet. Stellenbosch ist nach Kapstadt die zweitälteste von Europäern gegründete Stadt Südafrikas. Als die niederländischen Kolonialherren 1685 den Ort besiedelten, sollten sie eigentlich Eichen für den Holzbedarf der Hafenstadt Kapstadt anbauen, widmeten sich aber bald lieber der Gewinnung von Rebensaft. Auf den zahlreichen Traditionsweingütern in den fruchtbaren Hügeln der "Winelands" werden bis heute die edelsten Tropfen gekeltert.


Das Weingut Asara bietet 5-Sterne-Luxusunterkünfte, edlen hauseigenen Wein und eine gediegene, entspannte Atmosphäre (Foto: Maike Grunwald)

Auch die "Fruit Route" ist ganz in der Nähe. Sie führt über die vier Gebirgspässe Helshoogte Pass, Franschhoek Pass, Viljoenspass und Sir Lowry's Pass durch fruchtbare Täler voller Obstplantagen. "Wenn man im Frühling - das ist hier bei uns dann, wenn bei euch in Europa Herbst ist - durch die Plantagen fährt, duftet es ganz himmlisch nach den Blüten der Apfel-, Birnen- und Pflaumenbäume", schwärmt Camille, Fremdenführerin aus Kapstadt.


Dies sind Forellen: In der Nähe von Stellenbosch liegt auch die "Fruit Route", die auf vier Pässen durch fruchtbare Täler voller Obsthaine führt (Foto: RED)

Eine in Südafrika angebaute Birnensorte, die ich jetzt im März bei meinem Gemüsemann um die Ecke kaufen kann, heißt witzigerweise "Forelle". Sie ist tatsächlich nach dem Fisch benannt: Ihre lebhafte grün-gelb-rote Färbung und die vielen Punkte auf der Schale erinnerten die deutschen Erfinder dieser Sorte an eine Regenbogenforelle. Der Name ist geblieben, auch im Englischen, wo kaum einer weiß, dass "Forelle" das deutsche Wort für "trout" ist.

Viele Weingüter der Winelands bieten inzwischen luxuriöse Unterkünfte für Gäste. Wir übernachteten in dem traumhaften Asara Wine Estate and Hotel. Vom Fünf-Sterne-Haus, das auf einem 1691 gegründeten Weingut liegt, hat man einen herrlichen Blick auf die Rebenhänge, einen kleinen Stausee und die umliegenden Berge. 
Nur wenige Autominuten entfernt ist das Gartenrestaurant Moyo, in dem man typische südafrikanische Küche genießen kann. Wer will, lässt sich nach afrikanischer Tradition weiße Muster ins Gesicht malen. Dazu gibt es Live-Musik, ein schönes Ambiente und natürlich südafrikanischen Wein.

Mehr Infos und Empfehlungen
Gepardenschutzstation"Cheetah Outreach" www.cheetah.co.za
Uni- und Weinstadt Stellenbosch http://de.wikipedia.org/wiki/Stellenbosch 
Birne "Forelle" http://de.wikipedia.org/wiki/Forellenbirne
Obst aus Südafrika http://beautifulcountrybeautifulfruit.com
Übernachtung im Asara Wine Estate and Hotel www.asara.co.za
Traditionelle südafrikanische Küche im Resataurant Moyo www.moyo.co.za

Diese Reise wurde unterstützt von Hortgro, Tourism Cape Town und Tourism South Africa.

Kommentare:

  1. Na gut, dass das wilde Getier die "faule" Phase beim Streicheln hatte. :-)

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  2. Hey, das muss eine fantastische Erfahrung gewesen sein, so eine Geparden zu streicheln. Ich finde Geparden sind fazinierende Wesen und ich hoffe das ich auf meiner Reise nächstes Jahr nach Südafrika auch welche sehen werde.
    Das mit den Forellen ist ja lustig :)

    LG Jana

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    1. Ja, es war ganz toll, unvergesslich! Inzwischen ist die Gepardenstation Cheetah Outreach umgezogen, jetzt ist sie immer noch bei Kapstadt, aber näher an der Küste, und man kann Strandspaziergänge mit Geparden machen! Das würde ich so gerne tun, Du hast ja nächstes Jahr Gelegenheit dazu. Ich wünsche Dir ganz viel Spaß bei Deiner Südafrika-Reise, gib Joseph ein paar Extra-Streicheleinheiten als Gruß von mir :-) Liebe Grüße Maike

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