Donnerstag, 17. Mai 2012

EM-Stadt Posen: Fußball, Lech-Bier, Kunst & Kultur!

Auch für Fußballmuffel hat Posen viel zu bieten. Rund um den Alten Markt stehen wunderschön restaurierte Bürgerhäuser (Foto: Harry Grunwald)
Passend zum Vatertag gibt es heute einen Gastbeitrag von meinem Papa :-)

(Reise, Polen, EM - Ein Gastbeitrag von Harry Grunwald) Kurz vor Mitternacht in der Posener Altstadt, die Restaurants und Kneipen rund um den Alten Markt sind noch fast bis auf den letzten Platz besetzt. Nicht ungewöhnlich in der fünftgrößten Stadt Polens, doch an diesem warmen Frühlingsabend ist die Stimmung noch aufgeheizter als sonst. Die Stadt ist im Fußballfieber, in diesen Tagen gibt es dort nur ein Thema: Die Europameisterschaft im Juni. 



40.000 Plätze gibt es im neuen Fußballstadion (Foto: Harry Grunwald)
Während der Europameisterschaft EURO 2012 werden hier in Posen vom 10. bis 18. Juni drei Vorrundenspiele der Gruppe C ausgetragen: Irland – Kroatien, Italien – Kroatien und Italien – Irland. Das Stadion wurde vor zwei Jahren ausgebaut, es ist eines der modernsten in Europa. Außerhalb der EM profitieren der Erstligaclub Lech Poznan und der Zweitligist Warta Poznan von dem neuen Fußballpalast, wenn sie hier ihre Heimspiele austragen.
„Pod Kozilolkami (Unter den Ziegenböcken“) heiß eines der Restaurants mit traditioneller polnischer Küche am Alten Markt (Foto: Harry Grunwald)
Wir sitzen im Restaurant „Brovaria“, hinter uns liegt ein ereignisreicher Tag. Auf Einladung des Polnischen Fremdenverkehrsamtes hat man uns ausführlich darüber informiert, wie sich Posen auf das EM-Spektakel vorbereitet: Zuerst die Besichtigung des Stadions, dann eine Powerpoint-Präsentation im Lokal „Pod Koziolkami“, übersetzt: "Unter den Ziegenböcken".  

Die beiden weißen Böcke sind Wahrzeichen der Stadt. Immer um 12 Uhr mittags erscheinen sie oben am Rathausturm und stoßen mit den Hörnern aufeinander. Das nach ihnen benannte Restaurant am Alten Markt hat sich auf die leckere traditionelle polnische Küche spezialisiert. Wir ließen uns Berge von Pierogi schmecken - diese mit Fleisch, Sauerkraut, Pilzen, Quark oder Konfitüre gefüllten Teigtaschen muss man in Polen unbedingt gegessen haben! Die vielen Kalorien haben wir in einen Rundgang durch die wunderschöne Posener Altstadt investiert.  
Die Pfarrkirche in der schönen Posener Altstadt (Foto: Ziko/Wikimedia)
Zum Tagesausklang jetzt in Ruhe ein Bier, haben wir beschlossen. Immerhin wird in Posen auch das berühmte Traditionsbier Lech gebraut. Doch von Ruhe kann in der „Brovaria“ keine Rede sein. Einige hundert Gäste schwatzen und lachen durcheinander, auch ohne Musik herrscht ein Höllenlärm. Nicht umsonst gelten die Polen als die Südländer Osteuropas. Dabei befinden wir uns hier in einer Stadt, die im übrigen Teil des Landes als besonders "preußisch" oder "deutsch" gilt, überpünktlich, sparsam und korrekt. Aber die gute Laune hier ist nicht zu überhören. Vielleicht sollten wir lieber nach draußen gehen, brülle ich meinen Kollegen zu, und tatsächlich finden wir dort noch einen freien Tisch.
Blick auf den alten Markt (Foto: Wiktor Baron/Wikimedia)
Kellnerin Ania nimmt die Bestellungen auf. Die 20jährige Germanistik-Studentin jobbt in der „Brovaria“, ihr Deutsch hat nur einen ganz leichten polnischen Akzent. Sie sieht der Fußball-EM mit gemischten Gefühlen entgegen: Einerseits deutlich mehr Trinkgeld, andererseits noch mehr Gerenne mit vollen Tabletts zwischen Küche, Zapfhahn und den Tischen im Restaurant. „Mein Chef hat noch ein paar Hilfskräfte mehr eingestellt, die Fußballfans werden im Juni hier zu Hunderten einfallen“, sagt sie.

Dabei trägt die  polnische Nationalmannschaft ihre Vorrundenspiele nicht einmal im Posener Stadion aus. Das Eröffnungsspiel Polen-Griechenland ist am  8. Juni in Warschau,  Polen-Russland findet am 12. Juni ebenfalls in Warschau und Tschechien-Polen am 16. Juni in Breslau statt. Ein großer Teil der Eintrittskarten für die Spiele in Posen ging trotzdem an polnische Fans.
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Das Posener Rathaus gilt als eines der wertvollsten Renaissance-Baudenkmäler in Mitteleuropa (Foto: Harry Grunwald)
Fest steht: Egal ob Fußballmuffel oder -fan, die Universitätsstadt an der Warthe ist immer eine Reise wert. Und sie liegt so nah an der deutschen Hauptstadt, dass sich von dort auch ein Wochenendtrip lohnt. Nur drei Autostunden sind es von Berlin nach Posen, mit der Bahn geht es sogar etwas schneller und sehr preisgünstig, 75 Euro für Hin- und Rückfahrt.
Kunst und Kommerz vereinigen sich im Einkaufzentrum „Stary Browar“ (Alte Brauerei). Gleich im Eingangsbereich steht diese fast fünf Meter hohe Maske (Foto: Harry Grunwald)
Posen wurde im 2. Weltkrieg zu mehr als 50 Prozent zerstört, heute erstrahlt sie wieder im alten Glanz. Besonders sehenswert ist der Alte Markt (Stary Rynek) mit wunderschön restaurierten Bürgerhäusern und einem prächtigen Renaissance-Rathaus. Die Peter- und Paul-Kathedrale auf der Dominsel wurde im 10. Jahrhundert erbaut.
Die Kathedrale bei Nacht (Foto: szymon_p//Wikimedia)

Weit über hundert Jahre herrschten die Preußen in Posen, aus jener Zeit stammen das Kaiserliche Schloss, die Börse und die Oper. Die 1876 errichtete Alte Brauerei (Stary Browar) wurde zu einem modernen Shopping- und Kulturzentrum umgebaut, mit über 100 Läden auf vier Etagen, Restaurants, Bars, Kunstausstellungen und Theateraufführungen. 

Die Posener Oper genießt in ganz Polen einen hervorragenden Ruf. Das Gebäude stammt noch aus der preußischen Zeit (Foto: Harry Grunwald)
Kneipen- und Partygänger haben in Posen die Wahl zwischen vielen Restaurants, Clubs, Diskotheken und Bars. Vor allem in der Altstadt tobt das Leben bis zum frühen Morgen. Die traditionelle polnische Küche ist deftig und manchmal gewöhnungsbedürftig. Die schon erwähnten Pierogi dürften jedem schmecken. Bigos, der Klassiker der polnischen Küche, sieht aus wie ein Kohleintopf und ist auch einer. Die Liste der möglichen Zutaten ist lang: Kohl, Schweinefleisch, Zwiebeln, Pilze, verschiedene Wurstsorten, Trockenobst, im Zweifel alle Reste aus der Küche. „You`ll either love it or vomit“, du wirst es entweder mögen oder spucken, heißt es warnend in einem englischsprachigen Reiseführer. Mir hat es prima geschmeckt. Kalorienbomben sind auch Smalec (frisches Brot, fingerdick mit Schmalz bestrichen) und Kaszanka (Grützwurst mit gebratenen Zwiebeln).
Auf Gleis 1 des Posener Hauptbahnhofs wartet ein Dampfzug auf die Abfahrt in die 80 Kilometer entfernte Kleinstadt Wolsztyn (Foto: Harry Grunwald)
Echte Dampflok-Fans werden an Posen kaum vorbeikommen. Am Malta-See zuckelt ein Schmalspur-Bähnchen mit einer fast 90 Jahre alten Dampflok entlang, vom Posener Hauptbahnhof geht es dann ganz groß zur Sache: Täglich fährt zweimal ein Dampfzug in die 80 Kilometer entfernte Kleinstadt Wolsztyn und zurück. Nicht als Museumsbahn, sondern ganz normal im Fahrplan der Polnischen Staatsbahnen PKP. Was für ein Traum!
Blick auf Posen bei Nacht (Foto: Farinata degli Uberti/Wikimedia)

Wissenswertes 
Viele Attraktionen in und um Posen sind stark ermäßigt oder ganz umsonst zu haben. Bei der Touristeninformation (Informacja Turystyczna) am Alten Markt gibt es für 12 Euro die drei Tage lang gültige „City-Card“. Mit ihr kann man Busse und Straßenbahnen umsonst benutzen, viele Museen und andere Sehenswürdigkeiten gewähren freien oder ermäßigten Eintritt.

Währung
Ein Euro sind etwa vier Zloty. Geldwechsel am günstigsten in offiziellen Wechselstuben („Kantor“). 

Unterkunft
Vier-Sterne-Hotel Einzel- und Doppelzimmer ab 75 Euro (z. B. Novotel Poznan Centrum, Plac Andersa 1); Drei Sterne Einzelzimmer ab 50, Doppel ab 65 Euro (z. B. Stare Miasto, ulica Rybaki 36).

Sprache
Hotelpersonal spricht fast immer Deutsch oder Englisch, Speisekarten oft auch Deutsch. Führungen in deutscher Sprache durch die Altstadt gibt es täglich, ausführliche Informationen bei der Touristeninformation (Informacja Turystyczna) am Alten Markt.

Essen und trinken
Zahlreiche Restaurants mit internationalen Spezialitäten, aber auch mit typisch polnischer Küche, z. B. Chlopskie Jadlo (Bauernkost), ulica Kantaka 8/9; Mlynskie Kolo (Mühlrad), ul. Browarna 37; Pod Koziolkami (Unter den Ziegenböcken), Stary Rynek 95.

Mehr Informationen auf den Seiten des polnischen Fremdenverkehrsamtes:

Mehr Informationen zur EM in Polen: www.polen.travel/de/euro-2012 

Mehr EM-Impressionen: Artikel über die Posen und Kiew auf www.berliner-akzente.de

Coole Hotels weltweit auf www.hotel-paradiese.de

Diese Reise wurde unterstützt vom polnischen Fremdenverkehrsamt. 

Kommentare:

  1. Ich habe in Poznan mal ein Semester lang studiert, wirklich eine tolle Stadt!

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  2. Sehr interessant. Im Sommer und per Rad sicher auch klasse. LG Christiane

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  3. Das Stadion wurde vor zwei Jahren erbaut - das Stadion wurde vor zwei Jahren nicht erbaut, sondern ausgebaut und modernisiert.
    Die beiden weißen Böcke sind Wahrzeichen der Stadt. Zu bestimmten Uhrzeiten erscheinen sie oben am Rathausturm und stoßen mit den Hörnern aufeinander. - Sie erscheinen nicht zu bestimmten Uhrzeiten, sondern nur um 12.00 Uhr.

    Sonst ein sehr interessanter Artikel - vielen Dank fuer die so schoenen und freundlichen Worte ueber meine Stadt. Ich habe eben an diesem Wochenende einen Besuch aus Norddeutschland gehabt - auch meine Freunde waren begeistert und die von ihnen mehrmals besuchte Stadt hat ihnen erneut sehr gefallen. Sie werden mit Sicherheit wieder kommen - wir sind langjaehrige Freunde.
    Es lohnt sich Poznań zu besuchen. Ich wuensche allen Besuchern viel Spass, Vergnuegen und schoene Eindruecke.

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  4. Danke für das Lob und für die Hinweise, wir haben den Artikel bearbeitet. Schöne Grüße nach Poznan von Harry und Maike Grunwald

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