Sonntag, 15. Mai 2011

Andere Länder, andere Gesten

Komm, wir geben uns die Kante: So fordert man in Polen Freunde zu einer Sauftour auf (Foto: Maike Grunwald)
Neulich in Krakau nahm ich an einem interessanten Sprachkurs teil: "Polnisch ohne Worte" hieß er. Lehrerin Agnieszka Styputka von der Sprachschule Varia zeigte uns dabei auch Gesten, die hierzulande nie verstanden werden würden. Zum Beispiel die oben auf dem Foto. Was auf den ersten Blick wie eine Morddrohung aussieht, heißt in Polen: "Komm, lass' uns saufen gehen!".

Geste "Feige mit Mohn": In Polen bedeutet sie "Du bekommst gar nix" (Foto: Maike Grunwald)
Wie man auch mit nonverbaler Kommunikation ordentlich ins Fettnäpfchen treten kann, habe ich neulich in einer Glosse beschrieben - hier zum Nachlesen:

Andere Länder, andere Gesten

(Reiseglosse, Maike Grunwald) "Wusstest du, dass das 'Daumen hoch'-Zeichen in muslimischen Ländern eine beleidigende Kopulationsgeste ist?", fragte mich meine Freundin neulich und hielt mir eine Seite aus dem "Reisebuch" von Prantl und Temsch unter die Nase. "Nein", sagte ich, obwohl ich das auch schon mal irgendwo gelesen hatte. "Aber ich finde es gut, wenn sich Leute bemühen, im Urlaub keinen zu beleidigen."

Mancher ist da schmerzfreier. Mit Schaudern denke ich an die Reisen mit einem deutschen Kollegen zurück. Jedes dritte Wort aus seinem Mund war "F..k". Egal in welcher Sprache wir uns unterhielten, in welchem Land wir waren und wer sonst noch zuhörte. Ich bat ihn, aufzuhören, doch er verstand mich gar nicht. Seit eine Handvoll Rapper aufmüpfige Teenie-Fans mit dem "f-word" bedienen, herrscht bei uns offenbar die Überzeugung, es gehöre zum normalen Sprachgebrauch. Dabei ist das "four letter word", wie es auch schamhaft genannt wird, in den USA mindestens so unakzeptabel wie hierzulande.

Schimpfwörter wirken in einer fremden Sprache harmloser, darin liegt wohl die Gefahr. Auch mir ist schon einmal ein "Shit!" entfahren, als ich in Wales auf regennassen Steinen ausrutschte, in Schafsdreck fiel und mir dabei richtig wehtat. Als der Schmerz nachließ und ich die Gesichter meiner britischen Begleiter sah, fiel mir wieder ein, dass ich nicht in Deutschland oder Frankreich war, wo man solche Kraftausdrücke öfter hört.

Weniger bekannt ist wohl die britische beleidigende Kopulationsgeste. Sie entspricht dem "Victory"-Zeichen von Winston Churchill, wobei der Handrücken dem Gegenüber zugewandt ist. Eine US-Webseite warnt sogar davor, mit dieser Geste in einer englischen Bar zwei Drinks zu bestellen. Was nicht dort steht: In Großbritannien gilt es generell als herrisch und unmöglich, herumzufuchteln oder nach dem Personal zu schreien. Auch das in Deutschland beliebte Vordrängeln am Büfett ist in vielen Ländern unüblich. Gleiches gilt für das neugierige Betrachten anderer Gäste oder von Passanten auf der Straße. In vielen Ländern, auch in England, kann dies als Provokation verstanden werden und sogar böse enden.

Nur ein bisschen peinlich ist dagegen ein Auftritt in einer deutschen Badehose. In den USA zum Beispiel trägt mann fast knielange Badeshorts. Dagegen wirken unsere knappen "Speedos", wie sie dort genannt werden, wie Reizwäsche für Schwule. Beim Umziehen sollte man nicht komplett "im Freien" stehen, auch nicht nur ganz kurz, "oben ohne" ist für Frauen in vielen US-Staaten verboten.

Zwischenmenschliches bleibt kompliziert, vor allem in fremden Kulturen. Am einfachsten ist es wohl, man hält sich zurück. Es wäre doch lustig, wenn wir Deutschen eines Tages als höflich gelten würden.

(Erschienen im Hamburger Abendblatt am 30.4.2011)

Mehr Infos
Die Sprachschule Varia in Krakau hat eine breite Angebotspalette - vom mehrwöchigen Polnisch-Intensivkurs bis hin zum Spaß-Kulturprogramm. www.polnischkurs.com

Highlight: Varia bietet außerdem verschiedene Kulturreisen für Krakau an, z.B. fünf Tage Kultur- und Spaßprogramm für Frauen mit Unterkunft inkl. Beauty-Behandlung für 260 Euro (DZ). Oder Krakau für Insider für beide Geschlechter, http://www.polnischkurs.com/Andere/Reisen

Alles über Polen auf den Seiten des Polnischen Fremdenverkehrsamtes: www.polen.travel/de 

Diese Reise wurde unterstützt vom Polnischen Fremdenverkehrsamt.

1 Kommentar:

  1. Eine kleine Ergänzung zu regionalen sprachlichen Besonderheiten und Entgleisungen: "Shit" ist wohl inzwischen fast überall fast akzeptabel, "Shit happens" darf man in Amerika bei einem Missgeschick sagen - oder nicht? Was aber ist mit Plattdeutsch? Wer sich in Hamburg ärgert und "so'n Schiet" sagt, benimmt sich nicht völlig daneben, das gleiche auf Hochdeutsch geht aber überhaupt nicht.

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