Freitag, 4. April 2014

Afrika und Asien: Wie Ratten Menschenleben retten

Will mal ein Held werden: Trainee-Rattenkind in Tansanaia (Foto: © Alvaro Laiz & David Rengel / HeroRats)
(Tier des Tages, Afrika, Asien, Maike Grunwald): Thailand, Mosambik, Kambodscha - viele denken da an weiße Strände und Kulturwunder. Nicht an Landminen. Dabei sind dort weite Gebiete immer noch mit versteckten Sprengkörpern verseucht. Nach UN-Angaben sind weltweit 66 Länder betroffen, darunter auch Kroatien. Mit dem "Internationalen Tag der Minenaufklärung" machen die Vereinten Nationen am 4. April auf die Gefahren aufmerksam. Gleichzeitig ist der 4. April "Weltrattentag". Gleich zwei gute Gründe, Euch heute Bilder der "HeroRats" zu zeigen: Minensuchratten, die Menschenleben retten! 

Sprengstoffsuchratte mit zweibeinigem Kollegen (Foto © Xavier Rossi / HeroRats))


Ausgebildet in Tansania

HeroRat mit menschlichen Kollegen in Schutzkleidung (Foto © Alvaro Laiz & David Rengel / HeroRats)
Mit Riesenhamsterratten gegen Landminen: Seit mehr als 15 Jahren züchtet die belgische Non-Profit-Organisation APOPO ihre "HeroRats" ("Heldenratten"). In Tansania lernen Helfer vor Ort, wie man die intelligenten Nager zu Minensuchern dressiert und mit ihnen gemeinsam Sprengkörper aufspürt und beseitigt. Am Campus der Universität Sokoine in Morogoro gibt es außerdem ein Forschungslabor und eine Zuchtstation, um die Arbeit mit den Ratten weiter aufzubauen. Derzeit sind dort 100 Zuchtratten und 57 junge Ratten, die gerade zu Mienensuchratten ausgebildet werden.

 Die Ratten lernen, den Sprengstoff TNT zu erschnüffeln (Foto © Brian Johnson / HeroRats)
Wer Sprengstoff durch Scharren anzeigt, bekommt eine Belohnung (Foto © Brian Johnson / HeroRats)

Dauerhafte Hilfe gegen Sprengstoff

Obwohl Riesenhamsterratten bis zu 2,5 Kilo schwer werden können (die Weibchen bis zu 1,4 Kilo), sind sie immer noch zu leicht, um versteckte Minen auszulösen - im Gegensatz zu Minensuchhunden. Somit ist die Arbeit mit ihnen tierfreundlich, effektiv und wirtschaftlich, denn die in mehreren Wochen gut ausgebildeten HeroRats können im Laufe ihres Lebens viele Minen erschnüffeln und dem Menschen anzeigen, ohne dabei Schaden zu nehmen. 

Geübt wird mit entschärften Minen (Foto © Alvaro Laiz & David Rengel / HeroRats)
Da die Sprengstoffratten von ihren Ausbildern für jeden Fund belohnt werden und ihnen auch "Feiertage" als Ruhepausen zustehen, düften die sozialen, neugierigen, verspielten und intelligenten Tiere sogar Spaß an der Arbeit haben.
Riesenhamsterratten gelten als besonders leicht zu dressieren (Foto © Brian Johnson / HeroRats)

Erfolg in Afrika und Asien

Informationen über die Minengefahr vor Ort (Foto © Xavier Rossi / HeroRats)
APOPO-Minenräumer arbeiten in Thailand, Kambodscha, Angola und Mosambik, in den meisten dieser Länder mit Unterstützung ihrer vierbeinigen Kollegen. In Angola sind derzeit 28 "Mine-Detection"-Ratten im Einsatz, in Mosambik 43 HeroRats. Für ihren baldigen Einsatz in Kambodscha stehen 12 Minensuchratten bereit. Wie viele Landminen es weltweit noch zu erschnüffeln gibt, ist unbekannt. Die Vereinten Nationen schätzen, dass ca. 110 Millionen Landminen in über 70 Ländern dieser Welt verlegt wurden, bevor Antipersonenminen 1997 verboten wurden.

So sehen Helden aus (Foto © Xavier Rossi / HeroRats)

Die Heldenratten haben also noch eine Menge Arbeit vor sich. Aber sie haben auch schon viel geschafft: Allein in Mosambik konnte APOPO nach eigenen Angaben knapp 3.000 Minen und mehr als 1.000 Bomben finden und entschärfen und somit mehr als 8.500 Quadratkilometer Land wieder begehbar machen. Wie viele Menschenleben dadurch gerettet werden, wird man nie erfahren. Sam, ein Viehfarmer aus Mosambik, bedankt sich auf der Website der Organisation, weil er seine Weiden endlich wieder nutzen kann - und damit seinen Lebensunterhalt bestreiten. Also: Ein Hoch auf die HeroRats! 

Dank der Minensuchratten werden tödliche Unfälle verhindert (Foto © Stuart Franklin-Magnum/ HeroRats)

P.S.: HeroRats können übrigens auch Tuberkulose feststellen und werden von APOPO auch im Kampf gegen diese Krankheit eingesetzt. Also ein doppeltes Hoch!

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Mehr über APOPO-Minensuchratten

Mehr über den "World Rat Day" / Weltrattentag


Hier helfen: Adopt a HeroRat!

 Die Ratten laufen an der Leine über das Gelände, die Minen-Entschärfer folgen ihnen (Foto © Xavier Rossi / HeroRats)

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Kommentare:

  1. Der Artikel ist wirklich Großartig!
    Die kleinen Kerlchen sind wirklich grandios!!!
    Sind die Fotos alle von dir ? Und hast du die Ratten mal in aktion gesehen?
    LG

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    1. Danke, ja, sind die Kleinen nicht toll? Die tollen Fotos sind leider nicht von mir, sondern von verschiedenen Fotografen vor Ort. Sie haben sie mir für diesen Artikel zum Weltrattentag und Anti-Minen-Tag zur Verfügung gestellt.
      Liebe Grüße!

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    2. Mir ist gerade aufgefallen, das du die Quellen bei den Fotos angegeben hast. Sorry hatte ich überlesen.
      Bleibt nur noch meine Frage ob du die kleinen Kerlchen mal in Aktion gesehen hast?
      LG

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    3. Leider habe ich ihnen nur in Reportagen und auf Videos zusehen können. Dort, wo sie tatsächlich im Einsatz sind, ist es ja tragischerweise auch viel zu gefährlich für "Normalbürger". Aber die Frage ist berechtigt, normalerweise berichte ich hier im Blog ja auch nur über selbst erlebte Reisen und poste dann auch eigene Fotos. Aber manchmal mache ich Ausnahmen. Die Arbeit der HeroRats verfolge ich schon lange und habe auch Freunde, die "Rattenpatentanten" sind, also das Projekt mit einer Patenschaft unterstützen. Das möchte ich auch demnächst tun. LG!

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  2. Wirklich rattenscharf, die Geschichte und die Bilder! Ratten zählen in der Tierwelt sonst doch eher nicht zu den Sympathieträgern, aber diese Ratten sind einfach genial. Ich muss aber auch darüber nachdenken, warum es diese pfiffigen Viecher überhaupt geben muss: Weil es gemeingefährliche Idioten und Kriegstreiber gibt, die mit solchen Todesfallen unschuldige Menschen (vor allem auch Kinder) ermorden wollen.

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    1. Danke für den Kommentar! Ja, es gibt leider noch viel zu tun für die süßen Schnüffler ...

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  3. Was für eine interessanter Bericht. Ich wusste das alles noch nicht. Wirklich ein Hoch auf die Ratte, die ja leider nicht immer den besten Status hat.

    Liebst Minnja

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    1. Liebe Minnja, dankeschön - ich finde das Projekt auch ganz toll und spannend. Dir liebe Grüße! Maike

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  4. Ich werd verrückt, bei meinem letzten Besuch in Tansania haben mir Freunde davon erzählt und ich wollte es nicht glauben. Nun hier bei Dir der Beweis! Das Ratten super Denker sind habe ich gewusst aber das man mit Ihnen soweit zusammenarbeiten kann. Klasse und für mich ein Beweis das wir Menschen immer noch sehr viel von unseren anderen Lebewesen auf dieser Erde lernen können.
    LG sendet Daniela

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    1. Liebe Daniela, danke für Deinen Kommentar! Das klingt, als ob Du öfter in Tansania bist? Auf jeden Fall hast stimme ich Dir zu, dass es sehr faszinierend ist, wie Menschen und Tiere zusammen arbeiten können. Mein Bruder und ich hatten als Kinder Farbratten, sehr anhängliche, nette und witzige Haustiere. Liebe Grüße!

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  5. Ein wunderbarer Bericht.
    Interessant zu lesen, dass man Ratten dafür heranzieht und possierlich sehen die kleinen Kerle auch noch aus. Am meisten gefällt mir aber die Tatsache, dass die Ratten die Minen zwar erschnüffeln können, aber dabei nicht ihr Leben lassen müssen.
    LG Monika

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    1. Danke liebe Monika - genau das finde ich auch toll. Liebe Grüße!

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  6. Klasse Artikel, einfach irre irgendwie.. Freue mich diesen Blog gefunden zu haben..

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    1. Vielen Dank lieber Dave! Ich freue mich total über so schönes Feedback :-)

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